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Anti-Anti 2.0 - gemeinsam gegen Antisemitismus

27.3.2026

Projekt "Fragt uns doch mal"
© Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat ein Projekt zur Antisemitismusprävention gestartet. Es umfasst Ausstellungen, Informationen auf einer Website, Bildungsangebote und Veranstaltungen. 

„Die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle erschreckt uns alle zutiefst – und fordert uns gleichzeitig heraus“, sagt Kunststaatssekretär Arne Braun. Deshalb unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg das Projekt „Anti-Anti 2.0 – Gemeinsam gegen Antisemitismus“. „Mit dem Projekt suchen wir gemeinsam nach neuen Wegen, uns dem Antisemitismus entgegenzustemmen. Und an diesem Punkt zeigt sich, wie stark unsere Gesellschaft ist. Wir müssen dringend wirksame Gegenstrategien entwickeln – ,Anti-Anti 2.0‘ leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag.“

Die Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg spricht von „einer tiefen Dringlichkeit“. Cornelia Hecht-Zeiler: „Wir blicken auf einen Judenhass, der sich in einem Ausmaß ungehemmt und meist unwidersprochen äußert. Als Museum, zu dessen zentraler Aufgabe Demokratiebildung gehört, gehen wir bei unserer Arbeit von der Gegenwart aus. Und so gehört es auch zu unserer Verantwortung, dieses Thema als Gefahr für die Demokratie zu erkennen und gemeinsam mit Betroffenen auf vielfältige Art und Weise aufzugreifen.“

Mit der Intervention „Fragt uns doch mal“ ist das Projekt derzeit vor allem in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte sichtbar. Diese und folgende Ausstellungen des Projekts „Anti-Anti 2.0“ werden begleitet von umfangreichen Informationen zum Thema Judenhass auf der HdGBW-Website, Veranstaltungen, Fortbildungs- und Beratungsangeboten. Dazu gehört die Unterstützung einer Vortrags- und Diskussionsreihe im Theodor-Heuss-Haus. Makkabi Deutschland bietet im Mai auf dem Platz am Haus der Geschichte ein Antisemitismus-Training an. Und die Stiftung Stuttgarter Lehrhaus kommt am Internationalen Museumstag mit einen Tora-Workshop ins Haus.

Charakteristisch für die Anti-Anti-Angebote ist auch die Ausstellungsintervention „Fragt uns doch mal! Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus“. Vermittlungsleiterin Caroline Gritschke: „Entscheidend ist der Perspektivwechsel. Lange Zeit wurde in Museen oft über Jüdinnen und Juden gesprochen – sie wurden zum Objekt der Geschichte oder allein auf die Opferrolle reduziert. Mit unseren aktuellen Projekten gehen wir einen anderen Weg. Gemeinsam mit Betroffenen rücken wir ihre Perspektiven in den Mittelpunkt.“

Die Intervention stellt sich den Fragen: Müssen wir antisemitische Objekte ausstellen, um über das Thema aufzuklären? Oder verfestigen wir auf diese Weise hasserfüllte Vorurteile? Die elf Stationen hinterfragen, ergänzen und kommentieren Objekte und Geschichten in der Dauerausstellung „Landesgeschichte(n)“ mit Fakten, Einsprüchen und Wünschen. Zum Beispiel zeigt der „Verschwörungsgenerator“, wie antisemitische Verschwörungserzählungen funktionieren. In Videos erzählen jüdische Menschen von ihren Hoffnungen, Ängsten und Enttäuschungen.

Die Intervention ist bis zum 13. September 2026 zu sehen. 

Die Intervention wurde von einem Team des Hauses der Geschichte und Community-Kurator*innen entwickelt. Unterstützt wurde es durch Expert*innen, die in Forschung, Bildung, Beratung und Vermittlung antisemitismuskritisch arbeiten.

Mitgemacht haben Menschen im Alter von 14 bis 63 Jahren.

Der Projekttitel „Anti-Anti 2.0“ greift zurück auf die 1924 bis 1932 erschienene Publikation „Anti-Anti. Tatsachen zur Judenfrage“.

Deren Idee einer Faktensammlung gegen antisemitische Lügen stammte vom evangelischen Pfarrer Emil Felden. Der Herausgeber E. G. Löwenthal war Jude.

Viele Stichworte darin sind heute erschreckend aktuell.

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